MICHAEL HAKIMI

NEWSBLAST
26.09. – 21.11.2009
OPENING: FRIDAY 25.09.2009

Michael Hakimi
Newsblast
Installation view

Michael Hakimi
Newsblast
Installation view

Michael Hakimi
Newsblast
Installation view

Michael Hakimi
Newsblast
Installation view

Michael Hakimi
Newsblast
Installation view

Michael Hakimi
Newsblast
Installation view

Michael Hakimi
And To You I Say: The Night Is Darkest Before Sunrise, 2009
Cotton, spray paint
163 x 133 cm

Michael Hakimi
Einsame Masse, 2009
Concrete
60 x 66 x 8 cm

Michael Hakimi
Aftermath, 2009
MDF lacquer
207 x 139 x 37 cm

Michael Hakimi
Großer Satan, 2009
Concrete
100 x 92 x 9 cm

Michael Hakimi
Throwing Noise, 2009
Concrete
80 x 72 x 7 cm

Michael Hakimi
B-Fence, 2009
MDF, lacquer
ca. 280 x 190 cm

Michael Hakimi
Above the Fold, 2007
Newsprint, spray paint
275 x 275 x 275 cm


Slide Frame (Back & Front), 2009
MDF, lacquer
each 200 x 200 cm

Michael Hakimi
Death To You, 2009
MDF, lacquer
118 x 107 cm

Michael Hakimi
Kleiner Satan, 2009
Concrete
60 x 66 x 8 cm






Press Release pdf (English | German)


Mit „Newsblast“ zeigt Krome Gallery die erste Einzelausstellung von Michael Hakimi (*1968) in Berlin, nachdem seine für das Dach des Galeriegebäudes konzipierte Außeninstallation „Resonance“ bereits im vergangenen Jahr zu sehen war.

Hakimi zeigt ein raumgreifendes Ensemble einzelner, verschieden formatiger Arbeiten. Zu sehen sind unter anderem Bildobjekte aus lackiertem MDF, Skulpturen aus Beton und eine Installation aus Zeitungspapier. Die überwiegend schwarz-weißen und zumeist auf elementaren und geometrischen Formen beruhenden Arbeiten reflektieren ihre eigenen Vorraussetzungen als Objekt, Form und Repräsentation, beharren gleichzeitig aber auch auf die Entfaltung ihrer illusionistischen, plakativen und narrativen Wirkungen. Zwischen ihnen entwickelt sich ein subtiles Netz formaler Bezüge und inhaltlicher Anspielungen zu einer in den Raum ausgreifenden Erzählung. •

In „Newsblast“ stellt Michael Hakimi seine Arbeiten in den Kontext der Ereignisse rund um die iranischen Präsidentschaftswahlen im Juni dieses Jahres. Bei diesen Ereignissen wurde die Bedeutung und Realitäten schaffende Rolle der Medien im Hinblick auf den Fortgang eines solchen politischen Geschehnisses eindrucksvoll vor Augen geführt. Selten ist die Abhängigkeit sämtlicher Akteure – Sendern wie Empfängern, Handelnden wie Publikum – von Repräsentation, Distribution und zugleich von Interpretation und Einordnung so deutlich geworden: angefangen bei der Selbstorganisation der Protestbewegung und ihrer medienbewussten Selbstinszenierungen, der Dokumentation und Verbreitung ihrer Aktionen durch die Instrumentalisierung von Internet und Mobilfunk; über die Zensur inländischer wie ausländischer Medien, durch die Schließung von Zeitungen, Filterung von Websites, Störung des Empfangs ausländischer Satellitenfernsehsender, temporären Blockaden des Mobilfunks sowie Verhaftung inländischer und Ausweisung ausländischer Journalisten; über den neuen Bedeutungsgewinn des Gesprächs und der Mund zu Mund Propaganda und der dabei zu beobachtenden erstaunlichen Kraft von Gerüchten; bis schließlich hin zu den Manipulationen und Inszenierungen der staatlichen Propaganda in ihren Organen, allen voran dem Staatsfernsehen.

Dieses gefährliche und gewalttätige Klima auf Seiten der Nachrichtenproduktion spiegelte sich auch auf der Seite der Rezipienten als ein monatelang dauernder persönlicher Ausnahmezustand des einzelnen Lesers, Users und Zuschauers vor seinem Computer, Zeitung oder Fernseher. Das intensive Verfolgen der gegenwärtigsten und für die Allgemeinheit relevantesten Ereignisse, erzeugte in seiner Vereinzelung gleichwohl eine besondere Form der Innerlichkeit: Eine hohe Anspannung und Konzentration verbunden mit großer emotionaler Anteilnahme, die durch jede neue Wendung der Ereignisse, starken Gefühlsschwankungen zwischen Hoffen und Bangen, Euphorie und Resignation ausgesetzt war. Im Verlauf der Ereignisse intensivierte sich der Gegensatz zwischen diesen emotionalen Druckwellen und ihrer psycho-physischen Effekte auf den Einzelnen einerseits, und den Formaten und Kadrierungen der Funktionalität und Objektivität suggerierenden medialen und journalistischen Standards und Geräten andererseits, zu einem immer schwieriger aufzulösenden Widerspruch.

An diese Ambivalenzen versucht der deutsch-iranische Künstler Michael Hakimi, der die Ereignisse von Berlin und Teheran aus verfolgte, in seiner Ausstellung "Newsblast" anzuschließen. Es geht ihm darum, sein eigenes künstlerisches Vokabular, in dem ähnlich gelagerte Widersprüche visueller Repräsentation bearbeitet werden, als ein raumgreifendes, atmosphärisches Bild in dem oben genannten Zusammenhängen neu anzuordnen und produktiv werden zu lassen. Hakimis karge und katastrophisch anmutende Bildräume und ruinöse Gebilde spielen sowohl mit den Grundparametern von Repräsentation und Gestaltwahrnehmung, als auch mit medialen Bilddiskursen der Nachrichten. In den fein austarierten Arrangements und Aufeinanderbezogenheiten dieser elementar anmutenden Arbeiten im Raum scheint eine Grammatik der Formen zu entstehen, die als Grundlage von Erzählung sich sogleich zu erzählen beginnt.

Ausgangspunkt der Ausstellung bildet mit „Above the Fold“ eine Art Koordinatenkreuz aus aufgefalteten und in die Raumecken gelegten Zeitungen, auf denen die Raumkanten mit schwarzem Sprühlack nachgezeichnet wurden. Der gezeichnete Nachvollzug des Raums verweist auf seinen ursprünglichen Zustand als gezeichneten Entwurf, scheint gleichzeitig aber auch als eine Art Gelenk zwischen dem medialen zweidimensionalen und dem realen dreidimensionalen Raum zu fungieren. Eine ebenso körpergroße schwarze Tafel, aus der große Löcher ausgestanzt sind, steht wie zerschossen oder auch nur zerlocht da. Zu erkennen ist ein in weißer Farbe auflackierter Teil eines großen „A“, der das Objekt als Fragment eines mutmaßlich viel größeren Billboards und Botschaft kennzeichnet. Auf dem Boden davor liegen mehrere ovale und konvexe Betonlinsen, bei denen es sich um Abgüsse der konkaven Hohlräume unterschiedlich großer Satellitenschüsseln handelt. Das einzige ‚TafelBild’ stellt auch farblich die einzige Ausnahme dar. Was sich als unheilvolles Leuchten hinter einem Berghorizont zu erkennen gibt, ist die mit Sprühlack fixierte Negativform eines gerissenen Papierstreifens, der hier als Schablone diente.